Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Informationen

Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Herausforderungen der Logopädie und berufliche Erfahrungen

Booklet

pastedGraphic.png

Einleitung

Der Konvention zuwider laufendes Sprechen, bezeichnet als „Sprachstörung“, und Lese-Rechtschreibschwierigkeiten können eng miteinander zusammenhängen.

 Logopädinnen und wenige Logopäden eignen sich ein vertieftes Wissen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zum Sprach-, Sprech-, Lese- und Rechtschreiberwerb an, setzen ihre Kenntnisse ein und üben sich im Umgang  mit Kleinkindern, Kindergartenkindern, Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen jeglichen Alters, die aus irgend einem Grund sprachlich von der erwarteten Norm abweichen. Sie erkennen die Gefährdung, die ohne Unterstützung und Hilfe im Lebenslauf der Betroffenen zu Beeinträchtigungen bis zum Ausschluss führen kann.

Zur Kategorisierung von Lese- Rechtschreibschwierigkeiten

  • Lese- Rechtschreibschwierigkeiten – LRS, Legasthenie, Dyslexie, Illettrismus – bezeichnen auffallende Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben lernen einer Alphabetschrift . 
  • Zum Erlernen einer Alphabetschrift gehören:
    • Kenntnis der gedruckten oder sonstwie sichtbar gemachten Buchstaben des Alphabets
    • wissen, welche Laute jedem dieser Zeichen zugeordnet werden
    • wissen, wie diese Zeichen beim Aufzählen benannt werden
    • Wörter altersentsprechend lesen, d.h. die gesehenen Buchstaben mittels ihrer Laute wieder als gesprochenes Wort äussern
    • Sätze und Texte altersentsprechend laut fliessend lesen, was dem Sprechen entspricht
    • still lesen
    • Gelesenes verstehen, umsetzen und diskutieren können
    • Buchstaben schreibend wiedergeben können
    • Wörter lautgetreu schreiben können
    • orthografisch schreiben können
  • Lese- Rechtschreibschwierigkeiten können auftreten bei :
    • Sprach- Sprechentwicklungsverzögerung 
    • unfertiger Aussprache
    • Lese- Rechtschreibschwierigkeiten in der Familie
    • bei wenig auffälligen Beeinträchtigungen im Hören, Sehen und der Motorik
    • bei unangemessener Instruktion bzw. mangelndem Schulunterricht   
  • Behandlungsbedürftige Lese- Rechtschreibschwierigkeiten liegen vor,
    • wenn Kinder im Schulalter beim Einstieg ins Lesen und Schreiben die regulären Lese- und Schreibinstruktionen nur teilweise oder gar nicht verarbeiten können
    • wenn Kinder gegenüber der Klassennorm klar zurückfallen
    • wenn anhand standardisierter Tests mit entsprechenden Grenzwerten eine Minderleistung ermittelt wird.

Folglich besteht bei auftretenden Lese- Rechtschreibschwierigkeiten ein grundsätzlicher Anspruch auf therapeutische Interventionen durch entsprechend ausgebildete Fachpersonen, um den Mangel aufzuarbeiten.

Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche der Logopädinnen und Logopäden

Früherkennung heisst Prävention: Vorbeugen

  1. Vor dem Lesen und Schreiben lernen, im Kleinkindalter, gilt es, die Sprach- Sprechentwicklung, Artikulation, Sprachmelodie und Rhythmus, Satzkonstruktion, Erzählen den evaluierten  Altersangaben entsprechend einzuschätzen und allenfalls Massnahmen zu beantragen.
  2. Bei einer logopädischen Frühtherapie vor dem   Alter von 6 Jahren, die sich auf «Sprechen» konzentriert, ist eine „Prävention“ in Bezug auf mögliche  Lese- Rechtschreibschwierigkeiten implizit gegeben.
  3. Beim Einstieg ins Lesen und Schreiben ist von Anfang an darauf zu achten, wie die Lernenden mit den angebotenen Buchstaben, und den entsprechenden Lauten umgehen, und ob sie das Angebotene der Norm entsprechend „lesend“ und „schreibend“ umsetzen oder Unsicherheiten zeigen wie Verwechslung von Zeichen, unsichere Lautzuordnung, unsicheres Heraushören von Lauten,  rasches Vergessen, unsichere Schreibabfolge.
  4. Öffentlichkeitsarbeit und kollegiale Weiterbildung sind nötig. Sprechen-, Lesen- und Schreibenkönnen werden gemeinhin als selbstverständliche Fertigkeiten angesehen. Diejenigen, die darin versagen, laufen Gefahr, ausgegrenzt zu werden.
  5. Lehrkräfte sind angehalten, den Ablauf beim Lesen- und Schreibenlernen in der alltäglichen Umsetzung zu beachten und auf der Unterstufe den mündlichen Anteil von Sprache wie Erzählen, Berichten, Reimen, Auswendig sprechen   vorrangig einzusetzen.
  6. Fallen Schulkinder durch abweichende sprachliche Leistungen im regulären Schulunterricht auf, die über oder unter der Norm liegen können, wird im beteiligten Team entschieden, welche Zusatzangebote eingesetzt werden sollen und können. Vorrang haben die Regellehrpersonen. 

Diagnostik

Lese- Rechtschreibschwierigkeiten ergeben sich in allen Sprachen, die alphabetisch verschriften und auch in den andern. Sie sind abhängig von der Fähigkeit, sich Sprachklang sowie Schriftzeichenfolgen zu merken und der betreffenden Sprachnorm entsprechend umsetzen zu können.

  • Erfassen und Beschreiben der schriftsprachlichen Fertigkeiten, gemessen an den Normen der betreffenden Sprache, bezogen aufs Lernalter. (Wie viele Tage, Wochen, Monate, Jahre lernt dieses Kind schon Lesen und Schreiben? Was von diesem Vorgang hat es sich angeeignet? Wo ist es verwirrt?)
  • Abklärung der Ursachen und Identifikation der sprachlich-kognitiven Bedingungsfaktoren (kognitiv bezieht sich konkret auf die Sinnesleistungen).
  • Gegebenenfalls Veranlassung weiterer Untersuchungen durch Hals-, Nasen-, Ohren-, Augenärzte und Ärztinnen, so wie Optiker und Optikerinnen.
  • Anzeichen von beginnenden Lese- Rechtschreibschwierigkeiten verlangen immer eine entsprechende Intervention. Die neuronalen Verbindungen, die Lesen und Rechtschreiben ermöglichen, müssen positiv aufgebaut werden können, ohne Umweg über schulisches Versagen. Die Schreibnormen einer konventionellen Sprache sind alles andere als frei wählbar.
  • Vorgeschlagene Massnahmen werden transparent kommuniziert.

Neben standardisierten Testverfahren zu Lesen, Schreiben, Sprechen und Sprache nutzen Logopädinnen und Logopäden auch informelles Vorgehen, z.B. Spontanverschriftungen und anamnestische Gespräche zur Beurteilung.

(Die genauen Differenzierungen, die generell bei HOLLENWEGER J. & LIENHARD P. (2011) anzutreffen sind, fehlen im SAV (Standardisiertes Abklärungsverfahren) ausgerechnet beim Lesen, an all den Stellen wo „Lesen“ erwähnt wird. Es lässt sich daraus schliessen, dass „Lesen“ immer wieder als selbstverständliche Fähigkeit angenommen wird, ohne Differenzierung der nötigen erforderlichen Sinnesleistungen und ihrer neuronalen Verbindungen.)

Im Auftrag der EDK in den Jahren 2006 bis 2009 durch Judith Hollenweger (PHZH), Peter Lienhard (HfH) und später auch durch Patrick Bonvin (HEP Vaud) erarbeitet. Seit Herbst 2011 wurde den Kantonen ein Prototyp des SAV mit dem Ziel zur Verfügung gestellt, dieses zu evaluieren und weiter zu optimieren.

Beratung

Logopädische Beratung gibt Aufschluss über den Zusammenhang von Sprechen und Sprache und die Bedingungen, die Lesen und Schreiben ermöglichen. Je nach Kind, Jugendlichem und Erwachsenem und deren Problem können verschiedene Anliegen im Vordergrund stehen und, wenn erforderlich, therapeutische Interventionen eingeleitet werden. Dazu gehören auch Beratungen zur Beantragung von Massnahmen des Nachteilsausgleichs.

Therapie

Therapien durch Logopädinnen und Logopäden sind angezeigt, wenn

  • Kinder und Jugendliche mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten wegen Spracherwerbsverzögerung im weiten Sinn bereits in einer logopädischen Behandlung sind oder waren
  • die Beurteilung der Lese- Rechtschreibschwierigkeiten ergibt, dass bis lang unentdeckte Sprachentwicklungsrückstände vorliegen
  • die Lese- Rechtschreibschwierigkeiten im Zusammenhang mit logopädisch relevanten Hör-, Seh- und neurologischen Beeinträchtigungen stehen
  • ein anderweitig kompetentes Angebot des Erlernens der Fertigkeiten von Lesen und Schreiben durch sonstige Fachleute fehlt. 

Logopädinnen und Logopäden obliegen Planung, Durchführung und Begutachtung von Therapiemassnahmen bei Lese- Rechtschreibschwierigkeiten. Sie sprechen sich vorgängig mit dem Umfeld ab. 

Aussichtsreiche Interventionen zur Verbesserung von Lese- Rechtschreibschwierigkeiten zeichnen sich aus durch hohe Spezifität, Individualisierung, Intensität und Systematik, entweder in einer 1:1  Therapie oder auch in Gruppen. Für die Evaluation des Erreichten wird die Zeit und die Art des Vorgehens berücksichtigt. Für Lehr- und Therapiepersonen ist es wichtig, auch innerhalb des obligatorischen Schulbetriebs verschiedene Interventionsmodelle flexibel zu nutzen und vorteilhaft zu kombinieren.

Kooperation Logopädie – Schulische Heilpädagogik – Indikation für logopädische Intervention

Beide Berufsgruppen bemühen sich, im Schulbereich bei auftretenden Lese- Rechtschreibschwierigkeiten die zu Grunde liegenden Probleme darzustellen, sich gegenseitig abzusprechen und die nötigen Massnahmen gegenüber Lehrerschaft, Schulleitung, Schulbehörde und Schulpsychologischem Dienst klar zu vertreten.

Evidenzbasierte Praxis / Qualitätssicherung

Evidenz ist dann gegeben, wenn Kinder, die zu Beginn des Lesens und Rechtschreibens auftretenden Schwierigkeiten durch fachkundige Unterstützung innerhalb einer angemessenen Zeit erarbeitet haben,  so dass sie im Schulunterricht in diesem Bereich dem mittleren Durchschnitt folgen können.

Voraussetzung für professionelles Handeln

Lese- Rechtschreibschwierigkeiten ergeben sich durch die Sache selbst. Das heisst: In der Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass  Lese- Rechtschreibschwierigkeiten entstehen können, gehört das Wissen um die Problematik und das Funktionieren von gegebenen Schriftzeichen, deren Zahl begrenzt ist, ebenso dazu, wie dass Wissen, welche Buchstabenabfolgen eine konkrete Sprache bei zu schreibenden Wörtern verlangt, welche optisch leichter zu erfassen und entsprechend lautlich wiederzugeben sind. Anleitungen, Erklärungen und Hinweise müssen aus kindlicher Sicht für die Lernenden fürs erste einfach, eindeutig und klar sein. Ungereimtheiten, von denen es in der Sprache haufenweise gibt, kommen in zweiter Linie. 

Berufliche Erfahrungen

Technik des Lesens 

Tatsache ist, dass es keine Eins zu Eins Beziehung zwischen Sprachlaut und Buchstabe gibt. Schon die Kleinbuchstaben (Minuskeln) werden anders geschrieben als die Grossbuchstaben (Majuskeln). Bei den drei Zeichen <sch> wird ein Laut geäussert, bei <z> und <x> ist es nur ein Buchstabe, aber es werden zwei Laute /ts/ und /gs/ gesprochen. Hingegen werden <vorwärts> und weitere <-wärts> Wörter und auch <tags> darauf> lautgetreu geschrieben.

Die Ungereimtheiten des gebräuchlichen Alphabets müssen den Unterrichtenden bekannt sein. 

-Warum sagt man beim Aufzählen des Alphabets /be/ /de/ /ge/, aber /el/ /em/ /en/?

-Wie werden <j> <q> und <y> im Deutschen im Vergleich zu andern Sprachen eingesetzt?

-Im Englisch werden den gelernten Buchstabenzeichen zum Teil andere Laute zugeordnet. 

-Warum muss bei <b> <p> <d> <q> jedes Mal ein anderer Laut gesprochen werden? Für die Augen ist es immer wieder ein Kreis und ein Strich. <e> kann in einer beliebigen Richtung geschrieben werden. Es wird immer noch als /e/ gelesen.

Wie wird <H> <h>gelesen und wo wird es geschrieben?

Hörende wollen wissen, wie der Klang entsteht und drehen den Kopf in die entsprechende Richtung.

pastedGraphic_1.png

Buchstaben dagegen sind optische Signale, auf welche sofort reagiert wird. 

Visuell, d.h. gesehen, sind „TAFEL“ und „tafel“ zwei unterschiedliche Wörter. Dass sie den gleichen Inhalt bezeichnen, braucht eine Erklärung.

Noch verwirrlicher wird es, wenn beim Lesen lernen als erstes ein senkrechter Strich als Majuskel /i/ geübt wird und als nächstes der gleiche Strich als Minuskel /I/ gelesen werden soll (<Igel>). Einigen lernenden Erstklasskindern widerspricht dieses Vorgehen ihrer Logik,.

Somit zeigt sich eine Banalität:

Die immer neu gedruckten Lehrmittel sind optische Darstellungen ohne Klang. Der Umgang damit spielt eine wesentliche Rolle beim Gelingen von Lesen können.

Die unterschiedliche Verarbeitung von Höreindrücken und Seheindrücken als „Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ist ein Aspekt, ohne dessen Berücksichtigung die andern Problemfelder wie Alphabetisierung, literaler Gesellschaften, Analphabetismus in literalen Gesellschaften, der Einsatz neuer Medien, Normierung von Sprache und Schrift, Entzifferung von Schriften kaum adäquat bearbeitet werden können“ 

GÜNTHER HARTMUT(1988).

Regelbeispiele zur Rechtschreibung

Weder Fisch noch Vogel

pastedGraphic_2.png

Die deutschen Schriftzeichen<f> <v> stehen für den Laut /f/ bei <FOHLEN> <VOGEL> <OFFEN>,  das Phonem /v/ gilt für die Schriftzeichen <w> und <v> bei <WOGE> <VASE> <VELO> <MÖWE>. Das Grapf <w> steht nur vor Vokalen. 

 ( <ph>  für /f/ findet sich bei Wörtern aus dem Griechischen.)

Die Minimalpaare <fort><Wort>- <Phase ><Vase>-  <Affe> <ave> werden mit den Phonemen /f/ und /v/ im Wechsel gesprochen. Graphologich ergeben sich aus folgenden Minimalpaaren die drei Grapheme <f> <v> <w> : <Volke> <Wolke>, <fort> <Wort>, <Verse> <Ferse>.

Während Wörter mit <w> und nachfolgendem Vokal recht zahlreich sind, gibt es nur drei mit Inlaut <LÖWE> <MÖWE> <WITWE>. Konsonantengruppen, die mit <w> beginnen, gibt es praktisch keine. <WRACK> und <WRINGEN> aus dem Niederdeutschen sind zwei der wenigen. 

<f> dagegen verbindet sich anlautend mit <l> und <r> wie bei <flüstern>, <Frost>.

In der deutschen Sprache entspricht <v> mehrheitlich dem gesprochenen /f/. 

<von> <vom> <vor> zählen zu den 100 häufigsten Wörtern des Deutschen, <ver-> als Vorsilbe zählt dazu.

Bei „fremden“ Wörtern wird <v> als /v/ gesprochen wie beim Wort <Verb> .

Ha!Ha!Ha!

pastedGraphic_3.png

Der Laut /h/ ist ein Hauch, der beim Sprechen anschliessend einen Vokal braucht, damit er gehört wird.

Der Buchstabe <h> wird  am Wortanfang  gesprochen:  „Haus“, „holen“ ,„heute“, „hundert“, „hinter“.
Die zweite Variante des <h> ist das Silben trennende <h> (z.B.<se-hen>, <zie-hen>).Es  wird zwischen den zwei Vokalen geschrieben und erleichtert das Lesen. Beim korrekten Hochdeutsch wird es nicht gesprochen. 

Die Bezeichnung „Dehnungs-h“ ist irreführend. Eine besondere Schreibung für lang  gesprochene Vokale ist überflüssig: <Nase>,<Hase>, <Hose>,< Dose> , <Esel>, <lesen>, <suchen>, <Kuchen>.

Bei gleich gesprochenen Wörtern kommen beide Möglichkeiten vor, womöglich um schriftlich den Bedeutungsunterschied zu markieren, so bei  <Na-men – nah-men>, <gebo-ren – boh-ren >, <war-wahr>. Die Vokale werden bei beiden Wörtern gleichlang gelesen.

Beim Einstieg ins Lesen lernen ist es besser, Wörter mit einem Dehnungs-h auf später zu verschieben 

 Soll das Dehnungs-h geschrieben werden, steht es:

  1. nur vor den stimmhaft gesprochenen Buchstaben <l> <m> <n> <r>
    (<Müh-le, zäh-men, deh-nen, Oh-ren>, <ohne>, <mehr> , <sehr>
  2. nur bei Verben und Nomen mit nur einem Konsonanten am Anfang der Schreibsilbe: <zäh-len, neh-men, Söh-ne, rüh-ren>., 
  3. Ausnahmen mit mehr als einem Anfangskonsonanten  sind:. <Pfahl>, <prahlen>, <Stahl(Eisen)> <Strahl>, <stehlen>, <Stuhl>, <Drohne>, <dröhnen>, <stöhnen>, <Strähne>. 
  4. nach <ie> nur, wenn ein <h> zum Wortstamm gehört: <stehlen/stiehlt, befehlen/befiehlt, empfehlen/empfiehlt, sehen/sieht>
  5. bei den Personalpronomen: <ihm, ihr, ihn, ihnen, ihrem, ihres, ihrer>.
  6. <th> gehört zur englischen Schreibung für das gelispelte /s/, oder es ist ein Wort aus dem Griechischen: <Thema>, <Theater>.
  7. Beim Lernen von <h> Wörtern sind Wortfamilien hilfreich: <fahren>, <du fährst>, < fuhren>, <die Fahrt>, <der Gefährte>, <der Fuhrmann>, <die Gefahr>, <gefährlich>.

 Literaturverzeichnis 

Mit den vorangestellten Jahrzahlen soll gezeigt werden, dass Sprechen – Sprache – Schreiben – Lesen ein unerschöpfliches Thema sind.

Die Neuerscheinungen von 2000 -2023 werden zu Wiederholungen des bereits Erarbeiteten.

Zudem erweist sich Sprache des Öftern auch als Machtmittel.

1534 ICKELSAMER VALENTIN: Die rechte weis auffs kuerzest lesen zu  lernen, Marpurg

1658 COMENIUS JOHANN AMOS: Orbus sensualium pictus. Die sichtbare Welt, Nürnberg, M.Ender Vlg. 

1801/1806 ITARD JEAN: Victor, das Wildkind vom Aveyron, Rotapfel Vlg

1882 HERMANN PAUL: Beiträge zur Geschichte der Lautentwicklung und Formenassoziation, Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 9,  

1907 VON GREYERZ OTTO: Kinderbuch für Schweizer Elementarschulen, mit Fibel, A. Franke Vlg 

1916 DE SAUSSURE FERDINAND: Cours de linguistique générale, 

Lausanne

1931: KERN ARTHUR, KERN ERWIN: Ist unsere Lesemethode richtig? Eine kritische psychologisch-didaktische Darstellung, Herder Vlg

1933 BRAUCKMANN KARL, LIMPRICHT MARTA: Silben u. Formenspiel der deutsche Sprache, Jena  Fischer Vlg

1934 KISTLER KARL, HNO Arzt: Sprachgestörte Kinder. Unsere Sorgenkinder. Heft 3, Glarus

1945 PIAGET JEAN: La formation du symbole chez l’enfant, Neuchâtel

1964 RÖSLER/GEISSLER GERHARD:  Die fröhliche Sprachschule. Theorie u. Praxis der heilpädagogischen Behandlung von Sprachstörungen ,Marhold Vlg, Berlin 

1965 HERZKA HEINZ STEFAN, Dr.med.: Das Gesicht des Säuglings, Schwabe Vlg

1967 HERZKA HEINZ STEFAN, Dr.med.: Die Sprache des Säuglings, Schwabe Vlg 

1969 JAKOBSON ROMAN: Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze. Suhrkamp 

1979 KOHRT MANFRED: Schreiben, Diktatschreiben, Diktate schreiben. Von der unbedachten Theorie einer bedenklichen Praxis, Sprache und Literatur 10 (4) 

1983 CHALL JEANNE STERNLICHT: Stages of Reading Development, New York

1985 SCHWARZ CÉCILE: Systematische Logopädie, Grundlagen für die Erkennung und die Behandlung von Störungen des menschlichen Sprechvermögens, Hogrefe Vlg

1985 GALLMANN PETER: Graphische Elemente der geschriebenen Sprache, Niemeyer Vlg.

1985 RITTER – SCHAUMBURG HEINZ: Die Kraft der Sprache. Vom Wesen der Vokale und Konsonanten, München Herbig

1987 BALHORN HEIKO/BRÜGELMANN HANS: Welten der Schrift in der Erfahrung der Kinder, Faude Konstanz

1987 KEMPOWSKY WALTER: Lesen lernen trotz aller Methoden, Vortrag am Georg-Eckert-Institut, Braunschweig

1988 GÜNTHER HARTMUT: Schriftliche Sprache. Strukturen geschriebener Wörter und ihre Verarbeitung. Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft. Tübingen, Niemeyer Vlg

1989 SITTA HORST: Die deutsche Rechtschreibung. EDK-OST, Weinfelden

1990 CHALL JEANNE STERNLICHT: The Reding Crisis. Why Poor Children Fall Behind, Harvard University

1991 SASSENROTH MARTIN: Schriftspracherwerb. Entwicklungsverlauf, Paul Haupt

1992 MÜLLER GÄCHTER BARBARA: Die Senkung des Einschulungsalters als bildungspolitische Problemstellung, Unveröffentlicher Bericht, Universität Bern

 1992 PENNER ZVI: Gestörter Grammatikerwerb im Schweizerdeutschen, Luzern

1994 GSCHWEND GINO: Die neurophysiologischen Grundlagen der Rehabilitation. Scheffler Vlg Lübeck

1994 ZOLLINGER BARBARA, CONNEN VOLKER: Die Entdeckung der Sprache, Paul Haupt Vlg

1996 STÖCKLIN-MEIER SUSANNE: Falten und Spielen mit Versen und Liedern, Pro Juventute Vlg

1997 MÜLLER ROMANO: Sozialpsychologische Grundlagen des schulischen Zweitspracherwerbs  bei Migrantenkindern, Sauerländer, Aarau

1998 GODDARD BLYTH SALLY: Greifen und Be-greifen. Wie Lernen und Verhalten mit frühkindlichen Reflexen zusammenhängen, VAK Vlg. DE

1998 PELTZER – KARPF ANNEMARIE, ZANGL RENATE: Die Dynamik des frühen Fremdspracherwerbs, Tübingen

1999 STÖCKLIN-MEIER SUSANNE: EINS, ZWEI, DREI RITSCHE RATSCHE REI, Schweizerdeutsche Kinderspielverse, Pro Juventute Vlg

2001 GRASSEGER HANS: Phonetik/Phonologie,2015 Amazon

2002 ZOLLINGER BARBARA: Kurs zu Dyslalien.Differenzialdiagnostische und therapeutische Aspekte.

2005 TRÖHLER DANIEL: PISA und die Lehrerpersönlichkeit. Warum immer alle auf die Lehrerbildung und die Lehrkräfte losgehen, ph/akzente 02

2006 MÜLLER GÄCHTER BARBARA: Lirum larum Löffelstiel, Erstlesefibeln der deutschsprachigen Schweiz im 20.Jh., im Internet und 2018 bei Amazon

2011 ORTHEIL HANNS-JOSEF: Die Erfindung des Lebens. Roman, GGP Media, Pössneck

In Kommentar veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Ja oder Nein?

Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Liegen die Schwierigkeiten beim Unterricht oder liegen sie in der Sprache selbst?

Booklet

pastedGraphic.png

o..o..o

(ausgeleert)

Zusammenfassung von wissenschaftlichen Hinweisen und beruflicher und persönlicher Erfahrungen in der Zeitspanne von 60 Jahren

Barbara Müller Gächter, Dr. phil. Pädagogik
Primarlehrerin, Logopädin, Mutter und Grossmutter
CH 9436 Balgach

15.01.2024

Einführung 

Lesen heisst: Man schaut in ein Buch und spricht dazu.

Lesen heisst: Man streicht mit den Fingerspitzen über ein Blatt Papier, spürt die glatten und rauhen Stellen und spricht dazu.

Lesen heisst: Man schaut in ein Buch und übt die entsprechenden Hand- und Mundbewegungen.

Lesen ist ein Umsetzen von sichtbaren und spürbaren Zeichen ins Sprechen. 

Gesprochenes verhallt.

In Lehm gedrückte Striche sind sicht- und fühlbar und überdauern Jahrtausende.

Lesen ist klar unabhängig von sozialem Hintergrund, Migration, Fremdsprachen, Dialekt, Elternhaus, Finanzen und Alter.

Ist das Hören eingeschränkt, gelten die sichtbaren Handzeichen und Mundbewegungen.

Fällt das Sehen der Augen weg, sind es die spürbaren Pünktchen, die zum Sprechen führen.

Sprechen ist von Geburt an verbunden mit der gegebenen Lebensentwicklung.

Diese verläuft für alle Kinder  gleich. 

Sie wird vom jeweiligen Umfeld beeinflusst.

Lesenlernen heisst erfassen, dies mittels Anleitung, wie sichtbare Buchstaben und Buchstabenfolgen gemäss einer bestehenden Übereinkunft in gesprochene Sprache umgesetzt werden müssen. 

Verläuft dieser Vorgang nahezu automatisch, gilt er als selbstverständlich, wie wenn er angeboren wäre. Daher gibt es anscheinend keinen Grund, sich näher mit Lesen lernen zu beschäftigen.

Auch Lesen lernen lässt sich mit einer Gauss‘sche Kurve von Gänzlich Versagen (1/5) bis Hervorragend (1/5) vergleichen. Der erste Fünftel ist auf das „mehr Wissen“ der Unterrichtenden zur Anwendung eines Alphabets angewiesen, der letztere hat schnell erfasst, wie Lesen geht.

Grundlegend ist – gleichbedeutsam wie die Musikalität – die Veranlagung: 

Wieviel Klang als fortlaufende Welle kann ich mir merken?

Diese Veranlagung kann gesteigert werden, falls Gehörtes auch immer wieder gesprochen wird.

Als erstes muss die Technik des Lesens erworben werden. Der Inhalt des Textes, als Sprachverständnis bezeichnet, ist abhängig vom Erlebten und den Erfahrungen.

Zwei Beispiele von Siebenjährigen zeigen dies.

-Geschrieben:„Meine Mutter hat den Herr Döpfelstock gern.“ (berndeutsch Härdöpfel = Erdapfel=Kartoffel)

-Gesprochen:„D‘ Frau Herrtànner het mir das gschänkt.

Das Sprachverständnis erweitert sich durch das Verstehen einer Grammatik.

Was gehört zur Technik des Lesens?

Tatsache ist, dass es keine Eins zu Eins Beziehung zwischen Sprachlaut und Buchstabe gibt. Schon die Kleinbuchstaben (Minuskeln) werden anders geschrieben als die Grossbuchstaben (Majuskeln). Bei den drei Zeichen <sch> wird ein Laut geäussert, bei <z> und <x> ist es nur ein Buchstabe, aber es werden zwei Laute /ts/ und /gs/ gesprochen. Hingegen werden <vorwärts> und weitere <-wärts> Wörter und auch <tags> darauf> lautgetreu geschrieben.

Die Ungereimtheiten des gebräuchlichen Alphabets müssen den Unterrichtenden bekannt sein. 

-Warum sagt man beim Aufzählen des Alphabets /be/ /de/ /ge/, aber /el/ /em/ /en/?

-Wie werden <j> <q> und <y> im Deutschen im Vergleich zu andern Sprachen eingesetzt?

Im Englisch werden den gelernten Buchstabenzeichen zum Teil andere Laute zugeordenet. 

-Warum muss bei <b> <p> <d> <q> jedesmal ein anderer Laut gesprochen werden? Für die Augen ist es jedesmal wieder ein Kreis und ein Strich. <e> kann in einer beliebigen Richtung  geschrieben werden. Es wird immer noch als /e/gelesen.

Wie wird <H> <h>gelesen und wo wird es geschrieben?

Hörende wollen wissen, wie der Klang entsteht. 

pastedGraphic_1.png

Buchstaben dagegen sind optische Signale, auf welche sofort reagiert wird. 

Visuell gesehen sind „TAFEL“ und „tafel“ zwei unterschiedliche Wörter. Dass sie den gleichen Inhalt bezeichnen, braucht eine Erklärung.

Noch verwirrlicher wird es, wenn beim Lesen lernen als erstes ein senkrechter Strich als Majuskel /i/ geübt wird und als nächstes der gleiche Strich als Minuskel /I/ gelesen werden soll (<Igel>). Einigen lernenden Erstklasskindern widerspricht dieses Vorgehen ihrer Logik,.

Somit zeigt sich: 

Die Lehrmittel und der Umgang damit spielen eine wesentliche Rolle beim Gelingen von Lesen können.

Welche Methode auch immer gewählt wird, der Knackpunkt bleibt immer der gleiche:

Welcher Laut wird welchem oder welchen Zeichen zugeordnet? 

Oder umgekehrt: 

Welche Laute werden welchem Zeichen zugeordnet?

Das muss ausdrücklich geübt werden, mit oder ohne Sinninhalt, denn es ist die Technik des Lesens, die als erstes automatisiert werden muss.

Jeder und jede, die begriffen haben, was der Kern der Sache ist, können dieses Wissen weitergeben. Dazu braucht es weder Bleistift noch Papier. In den Schnee, in Sand schreiben ist möglich, auf Steine ritzen, mit Steinchen legen und was auch immer. Zudem springen einem Wörter und Sätze auf Schritt und Tritt in die Augen, sogar auf französisch, italienisch und englisch. Diese Wörter können als Leseübung durchaus zunächst einmal buchstabengetreu gelesen werden.

Der Buchstabe bezeichnet den Laut, und Lautfolgen bezeichnen Objekte und über den Körper erfahrbare Wirklichkeit. Daraus ergibt sich die einfachste Lesetheorie: das Übersetzen von Buchstaben in Laute. 

Die Schwierigkeiten liegen in der Sache selbst

Sprache

Der Nennung „Sprache“ fehlt eine klare Erklärung. Sie erzählt mit Sprechen, was Menschen mit ihrem Körper durch Sinneseindrücke und Bewegungen an sich selbst und um sich herum erleben und erlebt haben.

Für Sprache im allgemeinen und Lesen im besonderen interessieren sich verschiedene Forschungsrichtungen mit entsprechenden Begriffen.

Sprechen als solches ist ein klares körperliches Geschehen.

Das zentrale Problem aller Sprachwissenschaft im weiteren Sinne, d.h. wissenschaftlicher Beschäftigung mit menschlicher Sprache als System, als Tätigkeit, als Kommunikationsmittel, als Kunstform besteht darin, dass ihr Gegenstand stets doppelt bestimmt ist.“ 

HERMANN (1982)

Die linguistische Auffassung des Sprachsystems übergeht die grundlegenden unterschiedlichen Bedingungen von Sprache sprechen und Sprache hören und Sprache sehen.

Beim Sprechen folgen die Sprachlaute mit dem Atem verbunden in gleitender Weise. Somit gibt es beim Sprechen keine ganz klare eindeutige Abgrenzung für einen einzelnen Sprachklang, der als Laut bezeichnet wird.

Sprechen ist mit Hören verbunden.

Sobald die Ohren Klang erfasst haben, dreht sich der Kopf mit den Augen in die Richtung dieses Klangs. Die Augen untersuchen die Ursache, weil die Menschen wissen wollen, was in ihrem Umfeld passiert. 

Beim Sprechen wird dem Gegenüber auf den Mund geschaut.

 Die Sprechbewegungen werden wahrgenommen. Sie wiederholen sich in gleicher Weise.

Es wird versucht, sie nachzumachen.

pastedGraphic_2.png

Schrift und was damit zusammen hängt 

Der Buchstabe bezeichnet den Laut und Lautfolgen bezeichnen Objekte und die über den Körper erfahrbare Wirklichkeit. Es ist das Übersetzen von Buchstaben in Laute

Schreiben ist ein Bewegungsablauf, der mündliche Äusserungen sehend erfassbar macht.

Vorläufer der Schrift 

Geschriebenes wird zum greifbaren Gedächtnis, Schriftzeichen zum visuellen Signal. 

Bildhafte Darstellungen und Zeichen beziehen sich auf eine gleichbleibende Bedeutung, die übers Sehen rasch eine eindeutige Handlung auslöst. Auf die als Piktogramme bezeichneten Strichzeichnungen wird sofort reagiert ohne lange sprachliche Erklärungen.

Silben- und Alphabetschriften verzichten auf einen direkten Bezug zur Bedeutung. 

Das Graph/ der Graph/der Graf

Letzterer bewohnt ein Schloss.

Der Graph bestimmt mathematisch mit einer Zeichnung von zwei Koordinaten verschiedene Funktionswerte. 

-Das Graph bezieht sich auf ein Buchstabenzeichen.

  Grapheme sind ausgewählte Schriftzeichen, für sämtliche Schreibmöglichkeiten eines einzelnen bestimmten, ausgewählten Sprachlautes.. 

Phonem  [s] – mögliche Grapheme: <s, ss, ß, c, ce, t, z, zz>; 

Phoneme[ks] – mögliche Grapheme:. <chs, x, cks, ks, gs, ggs>

 Das Graphem ist die kleinste visuell erfassbare Einheit der geschriebenen Sprache, die ein Phonem (oder eine Phonemfolge) repräsentiert.

-Graphotaktik bestimmt bei jeder schriftlichen Sprache die zugelassene Zeichenabfolge, wissenswert fürs Erstellen von Erstleseblättern und Erstlesebüchern, um „einfache“ und „schwierige“ Wörter zu unterscheiden wie „an, so “ oder „Strumpf“  oder „Orangentorte“.

-Morph: sich verändern

Morphe bezeichnen Teile von gesprochenen und geschriebenen Wörtern, welche sich auf die Bedeutung beziehen, aber auch Einzelbuchstaben, welche die Grammatik verändern. 

Morpheme  sind das Ergebnis einer Klassifikation aller Morphe nach ihrer Bedeutung.

Jede sprachliche Äusserung lässt sich als eine Folge von Morphemen darstellen. Wörter sind entweder selbst Morpheme <Haus>, <Tür> (freie Morpheme), oder gebundene Morpheme wie bei <lob–en>, 

<-st>, <-t> , <-te>.

Das Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit von Wörtern.

Zwischen Buchstaben- u. Wortebene bestehen keine Zwischenebnen.

Die unterschiedlichsten Sprachen können nach einem Inventar der Morpheme als der kleinsten bedeutungstragenden Einheiten bestimmt werden. 

Das Phon ist die kleinste Lauteinheit gesprochener Sprachen. 

Das Phonemi bezeichnet kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit einer Lautäusserung wie bei /hase-hose, was bereits Dreijährige feststellen. Zur Zeit wird die phonologische Bewusstheit im schulischen Bereich überbetont.

phonetisch meint das Aussprechen der Schriftzeichen.

Phonetik . untersucht  die Lautproduktion im Artikulationstrakt von Lunge, Kehlkopf. Rachen-, Mund- und Nasenbereich.

 Phonemzusammensetzungen von Wörtern, als Lexeme bezeichnet, ergeben das mentale  (phonologische) Lexikon). als ein Teil unseres Wissens und Denkens. 

Phonologie untersucht den Unterschied der Lautäusserungen nach der Artikulationsart: stimmhaft, stimmlos, nasal, Lufstrom, kein Luftstrom im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Wörter

Jeder Leser und jede Leserin speichert die erworbenen Kenntnisse über Wörter in einem mentalen Lexikon, womit der Wortschatz gemeint ist. Der Bedeutungsaspekt wird dabei wesentlich reduziert.

Regelbeispiele zur Rechtschreibung

Weder Fisch noch Vogel

pastedGraphic_3.png

Die deutschen Schriftzeichen<f> <v> stehen bei <FOHLEN> <VOGEL> <OFFEN>, für den Laut /f/ , das Phomeh /v/ gilt für <w> und <v> bei <WOGE> <VASE> VELO> <MÖWE>. Das Grapf <w> steht nur vor Vokalen. 

Die Minimalpaaren <fort><Wort>- <Phase ><Vase>-  <Affe> <ave> werden mit den Phonemen /f/ und /v/ im Wechselgesprochen Graphologich ergeben sich aus folgenden Minimalpaaren die drei Grapheme<f> <v> <w>  : <Wolke> <Volke>  <Wort> <fort> <Verse> <Ferse>

Während Wörter mit <w> und nachfolgendem Vokal recht zahlreich sind, gibt es nur drei mit Inlaut <LÖWE> <MÖWE> <WITWE>. Konsonantengruppen, die mit <w> beginnen, gibt es praktisch keine. <WRACK> und <WRINGEN> aus dem Niederdeutschen sind zwei der wenigen. 

<f> dagegen verbindet sich anlautend mit <l> und <r>  wie bei.<floss> <geflossen> <Frost>

Das Graphem <w> korrespondiert immer mit dem Phonem /v/.Das heisst, wer weiss, dass „Möwe“ mit <w> geschrieben wird, schreibt „Möwchen“ ebenfalls richtig, auch wenn es mit /f/ ausgesprochen wird.

In der deutschen Sprache entspricht <v> gesprochen  mehrheitlich dem gesprochenen /f/. <von> <vom> <vor> zählen zu den 100 häufigsten Wörtern des Deutschen. <ver-> als Vorsilbe zählt dazu.

Bei „fremden“ Wörtern wird <v> als /v/ gesprochen wie beimWort <Verb>  

Ha!Ha!Ha!

pastedGraphic_4.png

Der Laut /h/ ist ein Hauch, der beim Sprechen anschliessend einen Vokal braucht, damit man ihn hört.

Der Buchstabe <h> wird  am Wortanfang  gesprochen:  „Haus“, „holen“,„heute“, „hundert“, „hinter“.
Die zweite Variante des <h>, ist das Silben trennende <h> (z.B.<se-hen>, <zie-hen>).Es  wird zwischen den zwei Vokalen geschrieben und erleichtert das Lesen. Beim korrekten Hochdeutsch wird es nicht gesprochen. 

Die Bezeichnung „Dehnungs-h“ ist irreführend . Eine besondere Schreibung für lang  gesprochene Vokale ist überflüssig: <Nase>,<Hase>, <Hose>,< Dose> , Esel>, <lesen>, <suchen>, <Kuchen>.

 Es kommen aber beide  Möglichkeiten vor. Bei <Na-men – nah-men>, <gebo-ren -boh-ren >, <war-wahr> werden die Vokale gleichlang gelesen.

Beim Einstieg ins Lesen lernen ist es besser, Wörter mit einem Dehnungs-h auf später zu verschieben 

Soll das Dehnungs-h geschrieben werden, steht es:

  1. nur vor den stimmhaft gesprochenen Buchstaben <l> <m> <n> <r>
    (<Müh-le, zäh-men, deh-nen, Oh-ren>, <ohne>, <mehr> , <sehr>
  2. nur bei Verben und Nomen mit nur einem Konsonanten am Anfang der Schreibsilbe: <zäh-len, neh-men, Söh-ne, rüh-ren>., 
  3. Ausnahmen mit mehr als einem Anfangskonsonanten  sind:. <Pfahl>, <prahlen>, <Stahl(Eisen> <Strahl>, <stehlen>, <Stuh>l ,<Drohne>, <dröhnen>, <stöhnen>, <Strähne>. 
  4. nach <ie> nur, wenn es zum Wortstamm gehört: <stehlen/stiehlt, befehlen/befiehlt, empfehlen/empfiehlt, sehen/sieht>
  5. bei den Personalpronomen: <ihm, ihr, ihn, ihnen,ihrem, ihres, ihrer>.

<th> gehört zur englischen Schreibung für das gelispelte /s/, oder es  ist ein Wort aus dem Griechischen: <Thema>, <Theater>.  

Beim Lernen  von <h> Wörtern sind Wortfamilien hilfreich: <fahren>, <du fährst>, < fuhren>, <die Fahrt>, <der Gefährte>, <der Fuhrmann>, <die Gefahr>, <gefährlich>.

Schriftspracherwerb

Als erstes bleiben schriftliche Teilelemente in Erinnerung wie Kreis, Halbkreis, Striche in verschiedenen Richtungen. Sie werden auch gezeichnet. Mit dem Erkennen der einzelnen Buchstaben bei geschriebenen Wörtern wird die Möglichkeit, auch Lautstrukturen zu unterteilen, geschaffen. 

Die unterschiedliche Verarbeitung von Höreindrücken und Seh-

ein drücken als „Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ist ein Aspekt, ohne dessen Berücksichtigung die andern Problemfelder wie Alphabetisierung illiteraler Gesellschaften, Analphabetismus in literalen Gesellschaften, der Einsatz neuer Medien, Normierung von Sprache und Schrift, Entzifferung von Schriften kaum adäquat bearbeitet werden können“ GÜNTHER H.(1988). 

Hinweise

Mitartikulieren beim „stillen Lesen“ ist zu langsam für geübte leise Leser.

Erfahrene Leser und Leserinnen nutzen den strukturierten Aufbau von geschriebenen Wörtern und erwarten, dass sie die kurzen visuellen Eindrücke entsprechend den orthographischen Regularitäten nutzen können.

„Wortüberlegenheitseffekt“  

Es gibt Tests, bei denen alle Pseudowörter zahlenmässig gleichviel Buchstaben haben. Wenn mehr Zeichen in Laute umzusetzen sind, entstehen mehr Fehler. 

Wörter erkennen hält sich an „Nachbarschaften“, das heisst an Ähnlichkeiten  wie <Haus-Maus> .  ohne Zugriff auf das „mentale Lexikon. Die unkritische Entdeckung des Lesens ganzer Wörter( Ganzwortmethode) verfälschte die Leselerndidaktik. 

Sind Texte in Majuskeln geschrieben, verschwinden die Worteinheiten völlig.

Beim lauten Lesen sind die Augen der sprachlichen Äusserung meistens voraus 

Nach links zurückgehende Augenbewegungen können sich auch auf visuelle Muster früherer Augenfixpunkte beziehen.

Buchstaben werden als visuelle Merkmalbündel analysiert, zum Beispiel <R>: senkrechter Strich links, Halbrund oben rechts, halbschräg nach unten rechts.

Die Unterschiede von Schriftzeichen entstehen durch unterschiedliches Werkzeug. Dagegen werden Sprachlaute durch menschliche Organe erzeugt.

Dass die abstrakte Ebene der Buchstabennamen selbstverständlich Bezeichnung bestimmter Sprachlaute ist, wird stillschweigend vorausgesetzt.

Ein Bezug zur Bedeutung lässt sich sowohl in der visuellen wie in der auditiven Worterkennung nachweisen.

Literaturverzeichnis 

Mit den vorangestellten Jahrzahlen soll gezeigt werden, dass Sprechen – Sprache – Schreiben – Lesen ein unerschöpfliches Thema sind.

Die Neuerscheinungen von 2000 -2023 werden zu Wiederholungen des bereits Erarbeiteten.

Zudem erweist sich Sprache des Öftern auch als Machtmittel.

1534 ICKELSAMER VALENTIN: Die rechte weis auffs kuerzest lesen zu  lernen, Marpurg

1658 COMENIUS JOHANN AMOS: Orbus sensalium pictus. Die sichtbare Welt, Nürnberg, M Ender Vlg. 

1801/1806 ITARD JEAN: Victor, das Wildkind vom Aveyron, Rotapfel Vlg

1882 HERMANN PAUL: Beiträge zur Geschichte der Lautentwicklung und Formenassoziation, Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 9,  

1907 VON GREYERZ OTTO: Kinderbuch für Schweizer Elementarschulen, mit Fibel, A. Franke Vlg 

1916 DE SAUSSURE FERDINAND: Cours de linguistique génénrale, Lausanne

1931: KERN ARTHUR, KERN ERWIN: Ist unsere Lesemethode richtig? Eine kritische psychologisch-didaktische Darstellung, Herder Vlg

1933 BRAUCKMANN KRL, LIMPRICHT MARTA: Silben u. Formenspiel der deutsche Sprache, Jena  Fischer Vlg

1934 KISTLER KARL, HNO Arzt: Sprachgestörte Kinder. Unsere Sorgenkinder. Heft 3, Glarus

1945 PIAGET JEAN: La formation du symbole chez l’enfant, Neuchâtel

1964 RÖSLER/GEISSLER GERHARD:  Die fröhliche Sprachschule. Theorie u. Praxis der heilpädagogischen Behandlung von Sprachstörungen ,Marhold Vlg Berlin 

1965 HERZKA HEINZ STEFAN, Dr.med.: Das Gesicht des Säuglings, Schwabe Vlg

1967 HERZKA HEINZ STEFAN, Dr.med.: Die Sprache des Säuglings, Schwabe Vlg 

1969 JAKOBSON ROMAN: Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze. Suhrkamp 

1979 KOHRT MANFRED: Schreiben, Diktatschreiben, Diktate schreiben. Von der unbedachten Theorie einer bedenklichen Praxis, Sprache und Literatur 10 (4) 

1983 CHALL JEANNE STERNLICHT: Stages of Reading Development, New York

1985 SCHWARZ CÉCILE : Systematische Logapädie, Grundlagen für die Erkennung und die Behandlung von Störungen des menschlichen Sprechvermögens, Hogrefe Vlg

1985 GALLMANN PETER: Graphische Elemente der geschriebenen Sprache, Niemeyer Vlg.

1985 RITTER – SCHAUMBURG HEINZ: Die Kraft der Sprache. Vom Wesen der Vokale und Konsonanten, München Herbig

1987 BALHORN HEIKO/BRÜGELMANN HANS: Welten der Schrift in der Erfahrung der Kinder, Faude Konstanz

1987 KEMPOWSKY WALTER: Lesen lernen trotz aller Methoden, Vortrag am Georg-Eckert-Institut, Braunschweig

1988 GÜNTHER HARTMUT: Schriftliche Sprache. Strukturen geschriebener Wörter und ihre Verarbeitung. Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft. Tübingen, Niemeyer Vlg

1989 SITTA HORST: Die deutsche Rechtschreibung. EDK-OST, Weinfelden

1990 CHALL JEANNE STERNLICHT: The Reding Crisis. Why Poor Children Fall Behind, Harvard University

1991 SASSENROTH MARTIN: Schriftspracherwerb. Entwicklungsverlauf, Paul Haupt

1992 MÜLLER GÄCHTER BARBARA: Die Senkung des Einschulungsalters als bildungspolitische Problemstellung, Unveröffentlicher Bericht, Universität Bern

 1992 PENNER ZVI: Gestörter Grammatikerwerb im Schweizerdeutschen, Luzern

1994 GSCHWEND GINO: Die neurophysiologischen Grundlagen der Rehabilitation. Scheffler Vlg Lübeck

1994 ZOLLINGER BARBARA, CONNEN VOLKER: Die Entdeckung der Sprache, Paul Haupt Vlg

1996 STÖCKLIN-MEIER SUSANNE: Falten und Spielen mit Versen und Liedern, Pro Juventute Vlg

1997 MÜLLER ROMANO: Sozialpsychologische Grundlagen des schulischen Zweitspracherwerbs  bei Migrantenkindern, Sauerländer, Aarau

1998 GODDARD BLYTH SALLY: Greifen und Be-greifen. Wie Lernen und Verhalten mit frühkindlichen Reflexen zusammenhängen, VAK Vlg. DE

1998 PELTZER – KARPF ANNEMARIE, ZANGL RENATE: Die Dynamik des frühen Fremdspracherwerbs, Tübingen

1999 STÖCKLIN-MEIER SUSANNE: EINS, ZWEI, DREI RITSCHE RATSCHE REI, Schweizerdeutsche Kinderspielverse, Pro Juventute Vlg

2001 GRASSEGER HANS: Phonetik/Phonologie,2015 Amazon

2002 ZOLLINGER BARBARA: Kurs zu Dyslalien.Differenzialdiagnostische u.therapeutische Aspekte.

2005 TRÖHLER DANIEL: PISA und die Lehrerpersönlichkeit. Warum immer alle auf die Lehrerbildung und die Lehrkräfte losgehen, ph/akzente 02

2006 MÜLLER GÄCHTER BARBARA: Lirum larum Löffelstiel, Erstlesefibeln der deutschsprachigen Schweiz 2018 bei Amazon

2011 ORTHEIL HANNS-JOSEF: Die Erfindung des Lebens. Roman, GGP Media, Pössneck

Worterklärungen

Aus Wikipädia: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

-disciplina: Unterweisung, Lehre , Ordnung  

-Funktion: Dienstverrichtung,fungī (fūnctus sum) ‘verrichten, vollziehen’. 

funktionieren:  reibungslos ablaufen, seiner Aufgabe gerecht werden.fungieren: ‘in einer Funktion tätig sein’,

funktional: die Funktion betreffend 

funktionell: funktionsgemäss

-Interdisziplinär: Rückfragen müssen erlaubt sein, 

multidisziplinär: Mehrere Disziplinen arbeiten parallel an einem gemeinsamen Thema

-kognitiv Adj. auf Erkenntnis beruhend, erkenntnismäßig.

cōgnōscere: erkennen, wahrnehmen’,

-Komponente: Teil eines Ganze, compōnere, zusammensetzen, von einander abgrenzbar 

Konstituente: lateinisch constituens, Partizip von constituere

„aufstellen, einsetzen“ist in der Sprachwissenschaft der allgemeinste Begriff für eine Einheit der  grammatischen Struktur

-Logogenmodelle befassen sich psychologisch mit der Entwicklung ei    nes mentalen Lexikons

Morphing bezeichnet eine  computergenerierte Ton- und Bildbearbeitung mit dem Ziel, Übergänge zwischen einzelnen Klängen oder Bildinformationen herzustellen Bei der Bearbeitung von Filmen werden aus zwei Einzelbildern neue Zwischenbilder (frames) berechnet. Bei Klängen wird ein zeitlicher Übergang des Spektralverlaufs erzeugt.

 -Sequenz:Reihenfolge’ sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen’

Spektrum: specere (spectum) ‘sehen’, von Goethe über Newton eingeführt für das farbige Band eines weissen Lichtstrahls, der durch ein gläsernes Prisma zerlegt wird; in Optik, und Physik für die elektromagnetische Strahlung verschiedener Wellenlänge verwendet.Übertragen auf ‘reiche Auswahl’.

– spektral Adj. ‘das Spektrum betreffend’

-Strategie: Kriegsplanung

-Struktur: struere  ordnen, eine Anordnung

System: ein gemeinsames Ganzes

systematisch: sinnvoll, geordnet

In Kommentar veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Lesen – ein Zusammenspiel von Hören,Sehen und Sprechen

Lesen – ein Zusammenspiel von Hören, Sehen und Sprechen

Lesen können und Lesen unterrichten ist die allgegenwärtige Forderung. Allen, die Lesen können, erscheint dieses selbstverständlich,wie wenn es angeboren wäre. Was einzelne Teilfertigkeiten verlangen, zeigt sich erst, wenn Leseversagen festgestellt wird.

Unabhängig von den Schulkindern bestehen Schwierigkeiten.

Das  Sprechen von Lauten wird artikulatorisch bestimmt.

Bereits Neugeborene suchen beim Hören die Schallquelle und drehen entsprechend den Kopf. Auf dem Wickeltisch sehen sie die Sprechbewegungen und versuchen, diese nachzumachen.

Laute beeinflussen einander klanglich, weil sie ununterbrochen mit dem Luftstrom geäussert werden.

Das heisst: Es gibt ganz offensichtlich keine artikulatorisch vollständig eindeutige Mund- und Zungenstellungen für den einzelnen Sprachlaut. Was mundmotorisch geübt wird, sind Artikuleme.

Fürs Lesen Lernen braucht es deshalb eine hörbare abstrakte Grösse, als Phonem bezeichnet. Das tiefe Berner A tönt anders als das hohe St. Galler A .Das wird klar als hörbarer Unterschied wahrgenommen.

Diese Phoneme sind die kleinste Einheit, welche Bedeutungen  zwischen zwei Wortklängen unterscheidet.  /ha:se/ bedeutet etwas anderes als /ho:se/.

Wichtig ist,  dass die Lehrerinnen und Lehrer beim Schriftdeutsch Sprechen und Vorlesen bei sich und den Kindern auf ein korrektes Sprechen der Phonemabfolgen achten. Muskelbewegungen bedeuten eine „Anstrengung“ . Bei „Achgung“ statt „Achtung“ bleibt der Zungenrücken hinten im Hals. Die Bewegung der Zungenränder hinter die obere Zahnreihe unterbleibt. Bei „fümpf“ statt „nf“ wird alles mit den Lippen gesprochen. Meistens sprechen Erstklasskinder noch spontan nach. So genügt eine Korrektur mit Blickkontakt: „Schau, das spricht man so“. Sprechverschen und Gedichtchen helfen, die Mundmuskeln zu trainieren.

Zu beachten ist:

Mündliche Äusserungen sind flüchtig und verklingen.

Das klangliche Erinnerungsvermögen ist bei Kindern unterschiedlich angelegt. Weg ist weg. Für Lehrerinnen und Lehrer stimmt, wenn sie sich auf das „einmal Sagen“ beschränken. Das  aber verlangt von ihnen, mit ihrem Blickkontakt in die Runde festzustellen, ob das Gesagte auch angekommen ist. Gehörtes verarbeiten braucht manchmal Zeit.

Schriftsysteme

Schriftzeichen sind sichtbare Spuren, die auf unterschiedlichste Weise hergestellt werden können. Beim Erarbeiten von Schriftsystemen wurde die Bedeutung der Zeichen ausgeblendetIm Gegensatz zur gesprochenen Sprache sind die visuellen Unterschiede von Buchstaben Eigenschaften der Buchstaben. Es sind Signale, die auch ohne wörtliche Erklärung eine Reaktion auslösen.Dass die gedruckten< LAGER> und < lager> bedeutungsgleich sein sollen, lässt sich visuell nicht bestimmen. Es gibt Erstklasskinder, die sich weigern, unterschiedlich aussehende Buchstaben als gleich lautend zu akzeptieren.

<A> und <a> sind demnach geschriebene Varianten, die eine Klasse „das ist ein A“ kennzeichnen.

Konkret visuell vorliegende Buchstaben verlangen ebenfalls eine abstraktere Ebene.  Sie werden als  Grapheme bezeichnet.In den meisten Worterkennungsmodellen wird dies stillschweigend vorausgesetzt.

Grapheme  sind in dem für ein Schriftsystem gültigen Alphabet aufgeführt und sind der Kern der zahlreichen möglichen graphischen Mittel wie Wortlücken, Fettdruck, Grossschreibung, Ziffern, Satzzeichen. Die Beziehung  vom Graphem zum Phonem muss ausdrücklich geübt werden, vor allem, wenn Lesen bei einigen Kindern Mühe bereitet. Bei den Schriftzeichen bestehen viele Abweichungen, sowohl was das Schreiben wie das Sprechen betrifft, wie etwa <sch>, <st>, <sp>, <ng>, <x>.Das widerspricht. der Logik einiger Kinder .

Lehrerinnen und Lehrer achten mit Vorteil bei den verwendeten Erstleselehrwerken und Übungsblättern darauf, welche Druckschrift verwendet wurde.

So können Verwirrungen bei einigen Kindern  vermeiden werden, zum Beispiel, wenn nach der Einführung des Vokals <I>< i> das Minuskel- L auch nur ein Strich ist. Erstklasstexte und spätere nur in sogenannten Grossbuchstaben, den Majuskeln, gedruckt, ergibt  für die Augen eine dunkle kaum gegliederte Fläche. Der Einstieg ins Lesen erfolgt am besten mit Wörtern, die der 1 zu 1 Beziehung „Buchstabe – Laut/Laut – Buchstabe“ entsprechen. Das weitere baut darauf auf.

 

In Kommentar veröffentlicht | Kommentieren

Weder Fisch noch Vogel

Fisch noch VogelZum Ausmalen für Vorschulkinder aus einem Block “pädagogisch und didaktisch geprüft“

Weder Fisch noch Vogel

Wie werden die Schriftzeichen <F f> <V v> <W w> und die Lautzeichen /f/ und /v/ gemäss DUDEN verwendet, zum Beispiel bei „Vielfalt“?

Setzt man die oberen Schneidezähne leicht auf die Unterlippe und wird hindurchgeblasen, entsteht die stimmlose labiodentale Frikative, so die Bezeichnung dieser Lautäusserung. Die phonetische Umschrift verwendet dafür das Zeichen /f/ innerhalb von Schrägstrichen für die in eckigen Klammern geschriebenen Buchstaben< F>< f> und <V><v>.

Für die gleiche Lautbildung (stimmhafte labiodentale Frikative) – obere Schneidezähne leicht auf Unterlippe setzen, blasen, aber diesmal mit Summen; die Stimmbeteiligung, ist am Kehlkopf spürbar – wird in der phonetischen Umschrift das Zeichen/v/ verwendet, aber als  Zeichen <W><w> geschrieben.

Als Schriftzeichen wird <V><v> je nach Sprachherkunft auch stimmhaft wie <W> gelesen.

Beispiele der korrespondierenden Grapheme <f> <v> des deutschen Phonems /f/ für die stimmlose labiodentale Frikative sind <FOHLEN> <VOGEL> <OFFEN>und für das Phonem/v/, die stimmhafte labiodentale Frikative, <WOGE> <VASE> <MÖWE>.

Während deutsche Wörter,  die mit <W w> und immer mit nachfolgenden Vokal beginnen, recht zahlreich sind – im DUDEN Rechtschreibung 2013 sind es 33 Seiten zu 3 Kolonnen –  gibt es lediglich drei mit <w> als Inlaut <LÖWE> <MÖWE> <WITWE>. Wörter mit <W> und einem zweiten Konsonanten am Wortanfang fehlen. <WRACK> und <WRINGEN> sind zwei aus dem Niederdeutschen.

Desgleichen steht <V v> nur vor Vokalen, also silbenanlautend, während auf den Anlaut <F f> als zweiter Buchstabe <l>oder <r> folgen können, z.B<FLUG>oder <FROST>

Welche Beziehungen bestehen im Deutschen zwischen den drei Graphemen und den zwei Phonemen?

Das Graphem <w> korrespondiert immer mit dem Phonem /v/.Das heisst, wer weiss, dass „Möwe“ mit W geschrieben wird, schreibt gemäss dem Prinzip der Morphemkonstanz „Möwchen“ ebenfalls richtig, auch wenn es mit /f/ ausgesprochen wird.

In der deutschen Sprache entspricht das Zeichen <v> stets dem Laut /f/.Für den Laut /f/ geschrieben als <F f>finden sich im Duden  50 Seiten zu 3 Kolonnen. Bei <V v> sind es 38 Seiten zu 3 Kolonnen.

Somit  ist klar, dass <F f> bei der Einführung der Laut-Buchstabenbeziehung den Vorrang hat. Die Einführung von <V v> braucht dann ein entsprechendes Geschichtchen.

<F f> und <V v> als optische Differenzierung gleichzeitig anzubieten und ausmalen zu lassen, schafft Verwirrung für den späteren Schreibprozess.

Hingegen müssen nach der Erarbeitung von /f/ = <f> die wenigen,  aber zu den 100 häufigsten Wörtchen  des Deutschen   zählenden <von> <vom><vor>  zusammen mit Vorsilbe<ver-> gut gespeichert sein. <vier><vierzig> gehören dazu.

 

„ver- und vor, ich weiss genau, schreibt man stets mit einen Vau“ 

Dieses „Vau“ ist der fünftletzte Buchstabe im aufgezählten Alphabet, während „EF“ am Anfang an sechster Stelle genannt wird.

Als Inlaut geschrieben kommt <v> selten vor: <Sklave><Malve><Salve><Revier>.

 

In Kommentar veröffentlicht | Kommentieren

Ha!Ha!Ha!

Wie steht es mit dem Dehnungs-H?

Fachbeitrag zum Dehnungs-h

Der Buchstabe <h> wird wesentlich öfter schriftlich als lautlich realisiert, letzteres vor allem am Wortanfang .
Die zweite Variante des <h>, die bei korrektem Deutsch nicht gesprochen wird, ist das Silben trennende <h> (z.B. se-hen, zie-hen). An dieser Stelle ist es zwischen den zwei Vokalen ein optischer Marker, der als solcher das Lesen erleichtert.
Die Dehnungs-hs sind ein Kennzeichen der deutschen Verschriftung.

Es gibt Sprachlehrmittel, in denen Regellernen überbetont wird. Es wird behauptet, für die Schreibung eines Dehnungs- hs gebe es keine Regeln. Darum müsse jedes solche Wort einzeln gelernt werden.

Nach der Duden-Schreibung ist das Lernen von regelhaften Gruppen einfacher.
Solche Regelungen gibt es auch für die Schreibung des Dehnungs-h.

Wikipedia vermittelt

Gemäss der zweiten Dudenregel gilt folgendes:

Ein im Wortstamm kurz gesprochener Vokal wird beim Schreiben mit  einem Doppelkonsonanten markiert, wobei es zwei gleiche sein können.

Die Bezeichnung „Dehnungs-h“ ist diesbezüglich irreführend, denn eine besondere Schreibung für die gesprochene Länge eines Vokals ist überflüssig.

Das Dehnungs-h ist eine orthografische Übermarkierung der Vokallänge.

Die Vokallänge als solche wird durch das Dehnungs-h lediglich hervorgehoben, nicht erzeugt. Die Vokale in den Wörtern <Na-men – nah-men, boh-ren – gebo-ren> werden gleichlang gelesen.

Demnach sind vor allem bei denjenigen, „die nicht wie von selbst lesen lernen“ [1], beim Einstieg ins Lesen lernen fürs Erste Wörter mit einem Dehnungs-h auf später zu verschieben.

Regularitäten, die anzeigen, wann ein Dehnungs –h geschrieben wird.

Soll das Dehnungs-h geschrieben werden, steht es:

  1. nur vor den stimmhaft gesprochenen Buchstaben <l> <m> <n> <r>
    (<Müh-le, zäh-men, deh-nen, Oh-ren>) und wenn, dann nur in flektierbaren Wörtern
    Ausnahmen sind: <ohne>, <mehr> und <sehr>.)
  2. nur bei Verben und Nomen mit nur einem Konsonanten am Anfang der Schreibsilbe: <zäh-len, neh-men, Söh-ne, rüh-ren>,( aber <Schale, qualmen, strömen, glänzen, Tränen, sparen>)
  3. Ausnahmen mit mehr als einem Anfangskonsonanten und ihre Ableitungen sind:. <Pfahl, prahlen, Stahl, Strahl, stehlen, Stuhl ,Drohne, dröhnen, stöhnen, Strähne>.
  4. nach <ie> nur, wenn es zum Wortstamm gehört: <stehlen/stiehlt, befehlen/befiehlt, empfehlen/empfiehlt, sehen/sieht>
  5. bei den Personalpronomen: <ihm, ihr, ihn, ihnen,ihrem, ihres, ihrer>.

Kein Dehnungs-h steht:
Wenn ein Wort mit <t> beginnt (vgl. Tür, tönen), obschon dieser Laut im Deutschen deutlich mit einem Luftausstoss. gesprochen wird.
<th> gehört zur englischen Schreibung für das gelispelte S oder ist eine Graphie aus dem Griechischen und von daher eine eindeutige Fremdwortmarkierung.

[1] Diese Bemerkung war immer wieder in den Lehrerhandbüchern zu lesen mit dem Nachsatz, man wisse noch immer nicht, wie Lesen können vor sich gehe.

 

In Kommentar veröffentlicht | Kommentieren

Silbe und Morphem

DUDEN Grammatik, 8. Aufl. 2009

S. 37, Ziffer 25

3. Die Silbe

3.1. Silbe und Morphem

„Jede Wortform besteht vollständig auf Silben, jede Silbe besteht ihrerseits vollständig aus Lauten. Als sprachliche Einheit ist die Silbe zwischen dem Lautsegment und der Wortform angesiedelt. Wortformen werden also nicht direkt als Folgen von Lauten beschrieben, sondern als Folgen von Silben.“

„Die Gliederung einer Wortform in Silben ist dem Sprecher instinktiv zugänglich. Ohne Schwierigkeit lässt sich angeben, wie viele Silben eine Wortform hat. Kinder verfügen über diese Kenntnis genauso wie Erwachsene.. .“

„Die Gliederung einer Wortform in Silben(‚Sprechsilben‘) darf nicht verwechselt werden mit der Gliederung in Morpheme (manchmal ‚Sprachsilben‘ genannt). Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten (im Unterschied zu Phonemen, die nur bedeutungsdistinktiv sind): Silbengliederung und Morphemgliederung fallen häufig zusammen, aber sie können sich auch unterscheiden“.

„Weder in der Zahl noch in der Lage der Grenzen müssen die Silben und Morpheme einer Wortform übereinstimmen“.

Kasten S.38

In Kommentar veröffentlicht | Getaggt , , | Kommentieren

Schweizer Brevier Nr.3

Balgach. 12.Mai 2016

Kurzinformationen für im Schulbereich politisch Interessierte und alle Stimmberechtigten


Hans, mein Sohn, was machst du da?
Vater, ich studiere.
Hans, mein Sohn, das kannst du nicht.
Vater, ich probiere.

Hansli, wo bisch?
Da obe.
Was machsch?
Nüt.
Chumm denn abe , wenn-d‘ fertig bisch.

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sprachen lernen, Fremdsprachen lernen, Deutsch lernen… die Zeitungen, Zeitschriften, Radiomeldungen sind voll von Argumenten dafür und dagegen. Die Allgemeinheit scheint ganz selbstverständlich zu wissen, wie Sprechen lernen vor sich geht und wie Sprache möglich wird. Und tatsächlich ist es so, dass es an die 80% der Kinder wie von selbst lernen. So erübrigt sich die Mühe, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Bedingungen dazu sind und wie dieser Prozess verläuft.

Die Frage jedoch ist: 

Gibt es verlässliche, erwiesene Anhaltspunkte, die ohne Glauben und Meinungen eine tragfähige politische Entscheidung erlauben?

Im Folgenden soll diesbezüglich einiges bekannt gemacht werden.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Barbara Müller

Lesen kann doch jeder!

HARDI FISCHER, seinerzeit Professor an der Eidgenössischen technischen Hochschule (ETH) erwähnt:

Wenige Menschen machen sich eine Vorstellung davon, welch komplizierte Vorgänge sich hinter dem Sprechen verbergen. Wer die als selbstverständlich und natürlich erscheinenden Vorgänge verstehen will, benötigt eingehende Kenntnisse der neuronalen Verarbeitungs-und Steuerungsabläufe“, dazu die Kenntnis der Funktion der betreffenden Organe und obendrein das Wissen, wie sich Sprachen strukturieren.

Zunächst arbeiten drei in sich unabhängige Sinnesbereiche zusammen.

  • Sprechen mit all seinen Ausdrucksmöglichkeiten wird gehört.

Gesprochenes hören allein ist schon ein ausgeklügelter Vorgang im Körper, der physikalische Eindrücke von aussen physiologisch umsetzt. Das besondere daran: Der Klang taucht auf und verklingt. Es braucht also eine Möglichkeit, sich beim erneuten Erklingen daran zu erinnern: Aha! Das habe ich schon einmal gehört.

Dieses „Gehörtes erinnern können“ ist familiär unterschiedlich angelegt. Landläufig könnte es mit Musikalität verglichen werden.

  • Wie aber kommt jemand zum Sprechen, genauer gesagt, zum Äussern von Lauten? Ausatmung und Stimme sind beteiligt, dazu die unterschiedlichen Muskeln im Mundbereich, die öffnen, schliessen und verengen können. Ansatz dazu sind bei den Neugeborenen saugen und in der Folge kauen.
  • Was jetzt geschieht, ist direkt phänomenal. Der gehörte Sprachklang steuert die entsprechende Muskulatur fürs Aussprechen.
  • Beim Lesen, wie es allgemein verstanden wird, spielen die Augen die Hauptrolle. Sie können dorthin schauen, wo es ihnen beliebt.
  • Warum aber gibt es Illetristen, das heisst, Leute, denen das Lesen mittels Buchstaben fremd ist? In unseren Landen sind doch Buchstaben überall zu sehen. Leider bleiben die Buchstaben und Zeichen von sich aus stumm, dies bei allen verschrifteten Sprachen.

Fürs Lesen muss klar sein, welches Zeichen wie gesprochen wird, und dafür ist jemand nötig, der es einem sagt.

Wohlgemerkt: es geht als erstes darum, die Technik des Lesens zu erwerben, denn Lesen heisst als erstes nichts anderes, als nach einer Vorlage zu sprechen. Den Inhalt verstehen ist dann das zweite Kapitel.

Spracherwerb Schweizerdeutscher Kinder

An der Abteilung für Logopädie der Universitätskinderklinik Zürich wurde unlängst von der Abteilungsleiterin lic. phil. Hilda Geissmann, dipl. Logopädin, eine Längsschnittstudie zum „Spracherwerb Schweizerdeutscher Kinder im Alter von 1.6 Jahren bis 4.Klasse“ durchgeführt.

An der Studie beteiligten sich zuweisende Kinderärzte und Kinderärztinnen, Fachpersonen, Eltern und ihre Kinder, das Studienteam Logopädie und die Entwicklungspädiatrie.

Als Untersuchungsinstrumente wurden Elemente der Spielentwicklung, der Sprech- Sprachent- wicklung und der Kommunikationsentwicklung eingesetzt. Zudem erfolgten eine Hör- und eine entwicklungspädiatrische Abklärung.

Folgendes sind Tatsachen:

Kleine Kinder lernen sprechen und Sprache nur, wenn sie angesprochen werden, im direkten Dialog. (Bei hörgeschädigten Kindern verstummt das anfänglich im ersten Lebensjahr vorhandene Plaudern.) Die sprachsensible Phase dauert bis ca zum 5.Lebensjahr.

Dazu gehören

das mühelose Übernehmen einer Sprachmelodie
das spontane sofortige Nachsprechen von Gehörtem (Papagei)
aus dem Gehörten eigene Wörter bilden, die zum Inhalt passen oder erfunden sind
Floskeln sagen, die zu einer gegebenen Situationen passen
über komisch klingende Wörter lachen

Kritisch wird es, wenn kleine Kinder im Alter von 2 Jahren weniger als 50 Wörter sprechen, keine Zweiwortsätze wie „Mami chauf“, „Auto put, „ Hund wauwau“ äussern, aber sich ohne weiteres mit Zeigen, Mienenspiel, sich Bewegen verständlich machen können.

Wie wird die Sprachentwicklung weiter verlaufen? 
Werden die Kinder bis zum dritten Lebensjahr altersentsprechend  erzählen?
Fehlen beim Sprechen lediglich noch einzelne Laute?

Oder sprechen einzelne Kinder mit drei Jahren noch kaum mehr als beim Einsetzen des Sprechbeginns, obwohl sie sich mit Zeigen und Mienenspiel bestens verständigen. Sie verstehen die an sie gerichteten altersentsprechenden Aufträge, haben kein Hörproblem, verstehen auch Situationszusammenhänge und reagieren entsprechend.

Was zeigt die oben erwähnte Längsschnittstudie?

Diese Kinder sind vor allem beim Sprechen auffällig, genauer beim Äussern von Wörtern.

  • Es fehlen Konsonanten
  • Verben werden spärlich eingesetzt
  • Sätze sind unvollständig oder die Wortstellung wird verdreht
  • grammatische Veränderungen kommen vor

Kurz gesagt: je weniger Wörter gesprochen werden können, je mehr sind auch Verb- und Satzproduktion betroffen. Das heisst, das korrekt Gehörte wird auf dem vorhandenen neuronalen Weg nur erschwert mit der entsprechenden Sprechmotorik verbunden und verlangt vermehrt geduldige Anregung während der sprachsensiblen Phase.

Zudem hat die Studie einen klaren negativen Zusammenhang zu einer familiären Disposition ergeben. Besteht in der Verwandtschaft 1.Grades eine sogenannte Spezifische Sprachentwicklungs störung mit ihren Folgen wie Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, was ja erst das Schulalter betrifft, ist die Wahrscheinlichkeit 4 x höher, dass bei verzögertem oder unangemessenem Vorgehen eine solche auch in der folgenden Generation auftreten kann.

Eine gute Veränderung kann erreicht werden

je jünger ein Kind ist
je kommunikativer mit Sprechen und Antworten ein Kind ist
je anerkennender Eltern und Bezugspersonen über das betroffene Kind sprechen
je besser sich das betreffende Kind auch ohne Worte verständlich machen kann.

Tritt ein Versagen im sprachlichen Bereich erst im Schulalter auf, bleibt dieses auch bei intensivem Bemühen bis zu 70% bestehen. Man bedenke die hohen Kosten und den geringen Erfolg.

Was verdeutlichen diese Informationen?

  1. Das frühe Sprechen- und Sprachenlernen kann nur dann ein Anliegen von Schulpolitikern und Schulpolitikerinnen sein, wenn sie mit den entsprechenden Grundlagen vertraut sind.
  2. Die Bestimmung, eine andere als die Muttersprache bereits nach zwei Schuljahren Lesen und Schreiben Lernen für alle Schulkinder obligatorisch zu erklären, ist ein klarer schulpolitischer Fehlentscheid.
  3. Die flächendeckende allgemeine Leistungsmessung des sprachlichen Outputs bis zum12. Altersjahr ist als ein gigantischer Bluff zu bezeichnen. An die 80% der Kinder können es „wie von selbst“, mit welchen Methoden auch immer. Falls bei ihnen Unstimmigkeiten auftreten, sind die zugrunde liegenden Lehrmittel und deren Autoren und Autorinnen in Pflicht zu nehmen.

Die Entdeckung der Sprache

Lange bevor bei Bebes das Sprechen aktuell wird, erleben sie, wie sie in die Arme genommen, gewickel, gestillt werden. Mit Krabbeln erkunden sie ihre Umwelt, später mit Stehen und Gehen ihre Möglichkeiten. Sie sind eingebunden in Erlebnisse, Gefühle sind beteiligt. Im Umfeld,wie sie aufwachsen, sammeln sie Welterfahrungen. Wenn sie beim Krabbeln einen Apfel erwischen, mit ihren Zähnchen hineingebissen und den Saft gelutscht haben, so kennen sie etwas vom Apfel. Aber wie sollen sie später sagen? Öpfu, Surgrauech, Apfel, Apple, Pomme, Mele oder Ringo? Das sind  zwei völlig unterschiedliche Bereiche. Erfahrungen machen gehört zum sogenannten kognitiven Bereich, Wörter wissen explizit zum Vorgang des Sprechens.

Kleine Kinder entdecken bald, dass sie mit Lautäusserungen in ihrem Umfeld etwas bewirken können. Zweisilbige Wörter werden möglich und umfassen einen ganzen Erlebnisbereich. So ist „Mami“ auch die Grossmutter oder die Betreuungsperson. Dieser ursprüngliche Erlebnisbereich bleibt und ist auch später mit jedem geäusserten Wort mitgemeint. Was alles wird zum Beispiel mit einem Begriff wie „Kind“mitgedacht? Vater, Mutter, Geschwister… Oder „Hammer“: Nagel, Vogelhaus bauen schlagen, Hand verletzen, Gewicht.. Ein ganzer Wissensbereich gibt einem einzelnen Konzept eine Bedeutung. Zustimmende Äusserungen lassen einen ein wohliges Gefühl erleben, Beschimpfungen bringen Tränen hervor. Mehr dazu bei Dr. Elisabeth Wehling

Zur Forschungsarbeit von Simone Pfenninger

Medienmitteilung vom 10.12.2014

Wie eingangs erwähnt, ist Sprechen Lernen für die Allgemeinheit kein Problem. So können zwar  linguistische Untersuchungen gewisse Zusammenhänge aufzeigen. Gymnasiasten und Gymnasiastinnen besuchen jedoch bereits Sekundarstufe II und es ist anzunehmen, dass bei ihnen Sprechen lernen wie von selbst statt gefunden hat. Was überprüft wurde, waren  „grammatikalische Korrektheit und Komplexität, Sprachfluss, Grammatikalitätsbeurteilung, sowie inhaltliche und strukturelle Aspekte des schriftlichen Ausdrucks“. Schriftlichkeit scheint den Vorrang zu haben. Das ist aber dem Sprechen lernen nachgestellt und kann mit den zwei von KONRAD DUDEN 1901 aufgestellten Grundregeln einigermassen zufriedenstellend erarbeitet werden. Für die englische Rechtschreibung ist dies sehr viel schwieriger.

Dass sich Sprachen mischen, lässt sich in Familien, deren Eltern in unterschiedlichen Sprachgegenden aufgewachsen sind, immer wieder feststellen.


Meine Partei?
Der Fünftel aller heranwachsenden Kinder, die schulisch trotz guter allgemeiner Intelligenz im Bereich Sprache regelmässig ausgegrenzt werden aus Mangel an Wissen der zuständigen Personen.

In Brevier veröffentlicht | Kommentieren

Schweizer Brevier Nr.2

Balgach, 2.April.2016

Kurzinformationen für im Schulbereich politisch Interessierte und alle Stimmberechtigten


Lernen mit Embru

Kühe brauchen Freilaufställe. – Brauchen Schulkinder Lernboxen?

Was trifft zu? – Bitte ankreuzen

□ Wenn die Schulkinder erwachsen sind, haben sie ein Brett vor dem Kopf.
□ Die Lernboxen vom audio – visuellen Unterricht sind vom Schulhausestrich herunter geholt worden.
□ Die Wirtschaft wird angekurbelt.

Liebe Leserinnen, liebe Leser

In Nr. 1 wurde darauf verwiesen, wie Stiftungen mit ihren Finanzierungen Einfluss nehmen auf das Schulwesen der schweizerischen Eidgenossenschaft, es zuerst schlecht reden und unterstellen, es brauche dringend ein völlig neues System, wie wenn die Eidgenossenschaft mit ihrer als veraltet deklassierten Schulbildung ein weisser Fleck wäre. Dann wird mit hochtrabenden Worten eine Schule der Zukunft vorgetäuscht, die auf diese Art auch eine Illusion ist. Schulunterricht passiert immer heute und jetzt. Über dieses mögliche Vorgehen von privaten Stiftungen geben die Auszüge aus der Darstellung der Jacobs – Fondation einen kleinen Einblick. Sie ist ausführlich auf 28 Seiten im Internet zu finden.

Dr.Barbara Müller

Jacobs Fondation

(Angaben aus dem PC)

Wer zahlt, befiehlt

Klaus J. Jacobs , * 3. 12. 1936 in Bremen , + 11. 9. 2008 in Küsnacht ZH, zählt zu den erfolgreichen Unternehmern. Ab 1970 leitete er den Familienbetrieb Jacobs & Co. Kaffee mit Hauptsitz in Zürich. 1991 gründete er die heute weltmarktführende „Adecco“ (Personalvermittlung) und „Barry Callebaut“, Hersteller von Kakao- und Schokoladeprodukten.

Bereits 1989 gründete Klaus J. Jacobs die Jacobs Foundation in Zürich als „private Stiftung mit internationaler Ausrichtung“. Er wollte mit seiner Familienstiftung „die Entwicklungsmöglichkeiten künftiger Generationen verbessern“ und Bestrebungen in dieser Richtung finanziell „nachhaltig positiv“ unterstützen. „Sozial verantwortungsbewusste Mitglieder der Gesellschaft, Weltbürger in allen Kontinenten mit Führungsqualitäten“ schwebten ihm vor.

Oberstes Entscheidungsorgan der Stiftung ist der Stiftungsrat.

  • Der Stiftungsrat wählt die neuen Mitglieder aus den eigenen Reihen.
  • Er ernennt den Vorsitzenden in Abstimmung mit dem Jacobs Familienrat.
  • Die Mitglieder müssen mit ihrem Leistungsausweis und ihrem Wissen insgesamt die Aufgabengebiete der Stiftung abdecken sowie über Erfahrungen mit internationalen Projekten verfügen.
  • Die Stiftungsmitglieder wählen die Programme aus.
  • Ziel ist, „eigene, Programme“ wie „Primokiz –Frühe Förderung lokal vernetzt“auch in der Eidgenossenschaft  „landesweit“  einzuführen, dies zusammen mit den öffentlichen Partnern auf kommunaler, kantonaler und  Bundesebene“ und „in Zusammenarbeit mit schulischen und ausserschulischen Bildungsverantwortlichen“.
  • Die Stiftungsmitglieder legen „die Kriterien für eine „vernetzte frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung“ fest, zusammen mit einemProgrammbeirat“.
  • Eigene, „repräsentative Studien“sind abhängig von den statistisch verwerteten Antworten. 

Unzweifelhaft wird klar gemacht:

Die Jacobs Foundation nimmt keine unaufgeforderten Projektanträge entgegen.“

In welcher Weise betrifft das Vorgehen der Jacobs – Stiftung die eidgenössischen kantonalen Volksschulen?

Mit dem Programm „Bildungslandschaften Schweiz wird „die systematische Zusammenarbeit schulischer und ausserschulischer Bildungsverantwortlicher“ angestrebt.  Das Programm wurde bei Kantonen und Gemeinden zur Teilnahme ausgeschrieben. Die „Steuergruppe“ wählte dreizehn „vielversprechende“ Projekte aus, deren Durchführung mit 6,5 Millionen Franken als „Anschubfinanzierung“ unterstützt  wird, aber nur, wenn die Vorgaben der Stiftung auch eingehalten werden.

Wie sollen diese lokalen Bildungslandschaften verwirklicht werden?

Das Programm folgt einem logischen Aufbau, angefangen beim Kind.

Festgestellt wird, dass sich Kinder und Jugendliche in vielen Lernwelten mit verschiedenen Verantwortlichen“ bewegen, worüber theoretisiert wird.

Es wird gefordert, dass bei jeder Lernwelt Kinder und Jugendliche sowie ihre Eltern herausfinden müssen, wo diese ist, wie sie funktioniert und wie sie Zugang dazu erhalten“.

Für die letzte und quasi oberste Stufe in der Bildungshierarchie dieser geleiteten Schule wird eine zentrale professionell gestaltete und gut erreichbare Stelle“gefordert, quasi ein „Bildungsbüro“,. von einer gut ausgebildeten Fachperson geführt, die alle Fäden in der Hand hält und „über alle Angebote und Möglichkeiten in der Gemeinde informiert ist“.Diese Notwendigkeit ergebe sich, weil

„in einer Bildungslandschaft grundsätzlich alle Beteiligten gemeinsam für alle Kinder zuständig“ sind.

Zuvor jedoch „müssten sich alle Beteiligten „zwangsläufig austauschen“, man müsse am gleichen Strick ziehen, denn ein gemeinsames Ziel werde angestrebt.

Der örtliche Gemeinderat müsse jedoch voll hinter dem Projekt „Bildungslandschaft“ stehen. „Nur dann sei eine Zusammenarbeit der vielen Beteiligten möglich. Der Gemeinderat stelle ja die entsprechend ausgebildeten Personen an, finanziere die Angebote oder stelle Räume unentgeltlich zur Verfügung .Lakonisch heisst es: „Angestellte oder Anbieter mit Subventionen machen mit Vorteil das, was ihre Vorgesetzten oder die Geldgeber wünschen“.

Weil in einer Bildungslandschaft alle Lernwelten einbezogen würden, sei „jede und jeder, die oder der sich mit den Kindern befasst, verpflichtet, sich mit den andern auszutauschen“, sei es im Sachbereich, „horizontal auf Augenhöhe“, sei es „vertikal“, gemeint ist stufenübergreifend.

Abschliessen wird festgestellt, „ein Bildungslandschaftsprojekt“ könne nur Anschub sein“ und werdeerst nach Jahren erreicht und überprüfbar“.

Von dem, was in Bezug auf die kleinkindliche Entwicklung in den ersten drei Vierteln des 20. Jahrhunderts erarbeitet wurde, ist keine Spur zu finden. Was das Sprechen lernen betrifft, ebenso wie den Einstieg ins Lesen, wie Kinder, die sich bewegen, spüren, hören und sehen, ihre Umwelt erleben und ihre Erfahrungen im Alltag umsetzen, ist bei den Verantwortlichen der Jacobs – Stiftung kein Thema, hingegen die Anmassung, Frühförderung“ steuern zu können.

Die behaupteten „ausgewiesenen Partner aus Wissenschaft und Praxis“ sind ausschliesslich in den eigenen wirtschaftlichen Reihen zu finden. Um sich aber Autorität zu verschaffen, werden 12 in Frage kommende Wissenschaften aufgelistet, unter anderen an zweiter Stelle „Erziehungswissenschaft“ verbandelt mit „Wirtschaftswissenschaften“.

Die „Förderstiftung“ habe sich zu einer „auch operativ tätigen Stiftung entwickelt“, habe „Überblickskompetenzen und spezifische Fachexpertisen aufgebaut“ und will „aus ihren „Aktivitäten wichtige Kernfragen und Bedürfnisse der Gesellschaft“ ableiten.

Viele dieser Begriffe schliessen einen  konkreten Inhalt aus, erscheinen aber der Allgemeinheit einleuchtend und erstrebenswert.

Eine Alternative

Dr. med. Marie Meierhofer, * 21. Juni in Turgi; † 15. August 1998 in Unterägeri, war Pionierin der Kinderheilkunde. Eine Frau als Ärztin war zu diesen Zeiten aussergewöhnlich.

Sie studierte Medizin in Zürich, Rom und Wien und spezialisierte sich auf Kinderheilkunde und Kinderpsychiatrie.

Mit einem kleinen Team setzte sie sich zusätzlich zu einer guten medizinischen Versorgung für das Verständnis und die Kenntnis der kindlichen Entwicklung ein. Die Vermeidung von Fehlentwicklungen im Kindesalter waren ihr wichtig.

Im Zweiten Weltkrieg leistete sie im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes Direkthilfe für kriegsversehrte und kriegsbeeinträchtigte Kinder. Zur Versorgung ihrer Schützlinge schmuggelte sie Medikamente und Lebensmittel aus der Schweiz über die Grenze nach Frankreich.

Kinder jüdischer Abstammung und ältere Jugendliche versteckte sie vor den Nationalsozialisten und ihren Funktionären. Ihre Kriegserfahrungen führten 1946 zur Gründung des Kinderdorfes Pestalozzi in Trogen.

Als Spezialärztin für Pädiatrie und Kinderpsychiatrie arbeitete sie auch als Stadtärztin in Zürich. Sie gründete das Institut für frühkindliche Entwicklung und leitete es von 1957–1977.

Ab Ende 1992 baute Marie Meierhofer ein Hilfsprogramm für AIDS-Waisen in Afrika auf. Ziel war der Verbleib der Kinder im eigenen Dorf, durch Aufbau von „Kinderfamilien“. Geschwister sollten lernen, mittels gegenseitiger Unterstützung den Alltag zu bewältigen. So sollten die Geschicke des Dorfes in demokratischer Absprache unter den Kinderfamilien gelenkt werden.

Dr. Heinrich Nufer, Sozialpsychologe, war ihr Nachfolger von 1977 – 2007, ein geschickter Verhandler, um das Institut aus der finanziellen Krise zu führen.

Derzeit laufende Projekte am Marie Meierhofer-Instituts für das Kind wie „Bildungs- und Resilienzförderung im Frühbereich“, mit dem vollständigen Titel  „Stärkender Lerndialog zur Bildungs- und Resilienzförderung – ein Projekt zur Förderung und Professionalisierung frühkindlicher Bildung in Schweizer Kindertageseinrichtungen,“ werden finanziell unterstützt und gefördert durch die Stiftung Mercator Schweiz, den Schweizerischen Nationalfonds, die Jacobs Foundation und die Hamasil Stiftung. (aus Wikipedia)

Ob solche wissenschaftlich überdehnte Projekte noch in Einklang stehen mit der Haltung und dem Engagement von Marie Meierhofer ist fraglich.

Zusammenfassung: Barbara Müller


Meine Partei?
Der Fünftel aller heranwachsenden Kinder, die schulisch trotz guter allgemeiner Intelligenz im Bereich Sprache regelmässig ausgegrenzt werden aus Mangel an Wissen der zuständigen Personen.

In Brevier veröffentlicht | Kommentieren

Schweizer Brevier Nr.1

Balgach. 10.Feb.2016

Kurzinformationen für im Schulbereich politisch Interessierte und alle Stimmberechtigten


Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sie erinnern sich:

Ende März 2015 wurde im Kanton St. Gallen die Initiative „Ja zum Austritt aus dem HarmoS – Konkordat“ mit nahezu 7000 Stimmen eingereicht. In diesem Jahr soll darüber abgestimmt werden.

Entgegen aller andren Aussagen wird es erst bei einer Annahme möglich sein, einen Lehrplan auf Grundlagen zu stellen, die den Kindern auch in der öffentlichen Volksschule ein entwick lungsgemässes Vorankommen und den verantwortlichen Lehrpersonen ein engagiertes freudvolles Unterrichten erlauben, und der den Eltern und Betreuungspersonen Entlastung von Zusatzaufgaben bietet.

Die vorliegenden Kurzinformationen sollen Hintergründe aufzeigen, was HarmoS bezweckt und wie mittels des geforderten Lehrplans das schweizerische bis jetzt kantonal geführte Schulwesen zu ungunsten der heranwachsenden Kinder klammheimlich ausgehebelt werden soll.

Dr.Barbara Müller Gächter


Meine Partei?
Der Fünftel aller heranwachsenden Kinder, die schulisch trotz guter allgemeiner Intelligenz im Bereich Sprache regelmässig ausgegrenzt werden aus Mangel an Wissen der zuständigen Personen.

In Brevier veröffentlicht | Kommentieren

Zum Schweizer Brevier

Schulunterricht gab und gibt immer wieder zu den unterschiedlichsten Auseinandersetzungen Anlass. Das Schweizer-Brevier soll in unregelmässigen Abständen über Themen kurz informieren und sie zur Diskussion stellen. Es entsteht aus privater Initiative. Wer mehr zum Hintergrund meiner Person wissen will, findet dies auf der letzten Seite meiner Dissertation „Lirum larum Löffelstiel“. Wer Informationen sucht zum Bereich „Sprechen und Sprache“, befasse sich mit der „Systematischen Logopädie“ (1985) von Cécile Schwarz.

Dr. Babara Müller Gächter

In Brevier veröffentlicht | Kommentieren